Für das seit längerem geplante Mahnmal zum Gedenken an die homosexuellen und transgender Opfer des Nationalsozialismus zeichnet sich nun eine Lösung ab: Statt des geplanten "rosa Platzes", der sich als technisch unrealisierbar herausstellte, sollen temporäre moderne Kunstwerke am Standort des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers an Morzinplatz an die Opfer erinnnern. Das Büro für Kunst im Öffentlichen Raum (KÖR) gab heute bekannt, dass es den Fotokünstler und Leiter der Klasse für Kunst und Fotografie an der Akademie der bildenden Künste Matthias Herrmann als Kurator für das Projekt gewinnen konnte.
Matthias Herrmann, der vorerst für zwei Jahre bestellt wurde, plant ab dem Frühjahr 2010 sowohl nationale als auch internationale KünstlerInnen einzuladen, sich mit dem Thema und dem Ort kritisch auseinanderzusetzen. "Die temporäre, in regelmäßigen Abständen wechselnde Bespielung durch zeitgenössische Künstler garantiert, dass der Ort nicht zum immobilen Denkmal erstarrt," betont Matthias Herrmann. Zudem bleibe damit das Thema der Diskriminierung und Verfolgung auf Grund gleichgeschlechtlicher Orientierung sowohl in seiner historischen Dimension wie auch in seinen aktuellen Perspektiven im Bewusstsein, so der Kurator.
Die Intention des Konzeptes ist es, Kunst im öffentlichen Raum als Seismogramm gesellschaftspolitischer Befindlichkeiten zu nutzen und die schreckliche Geschichte des Morzinplatzes dauerhaft im kollektiven Bewusstsein zu verankern. Gerade jene Opfer, die im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen häufig vergessen werden, sollen durch die künstlerische Markierung des Ortes eine öffentliche Sichtbarkeit erhalten, die ihnen bislang vielfach verwehrt wurde.
Eine permanente Installation eines Mahnmals ist dennoch nicht völlig aufgegeben worden. Sie soll im Zusammenhang mit einer Gesamtsanierung und Neugestaltung des Morzinplatzes neu ausgeschrieben werden. Quelle: Presseaussendung des KÖR vom 18. Dezember 2009
Links: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20091218_OTS0026/gedenken-an-homosexuelle-und-transgender-opfer-des-ns
http://www.koer.or.at/
http://www.marco-schreuder.at/2009/04/warten-auf-das-homo-mahnmal-am.html
Zum ursprünglich geplanten Projekt: Wolfgang Wilhelm, Der Rosa Platz. Wien erhält ein neues Mahnmal zum Gedenken an oft vergessene NS-Opfer; in: Invertito, Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten, 9 (2007). http://www.invertito.de/jahrbuch/inv09/inv09.html