18 eingetragene Partnerschaften wurden seit Einführung des Gesetzes über die EP Anfang des Jahres in der Steiermark geschlossen, berichtet ORF Steiermark. An der Spitze liegt, wie zu erwarten, Graz mit 8 Eintragungen, gefolgt von Graz-Umgebung mit 5 und Leibnitz mit 2. Je eine eingetragene Partnerschaft gibt es bisher in Feldbach, Gröbming und Voitsberg, noch keine in Bruck, Fürstenfeld und Mürzzuschlag. Von den 8 Grazer Paaren waren laut Auskunft der Leiterin des Bürgeramtes Ingrid Bardeau 6 männlich.
Kurt Zernig von den Rosalila PantherInnen rechnet mit rund 70 bis 80 eingetragenen Partnerschafen pro Jahr in der Steiermark, "Völkerwanderungen" dürfe man sich nicht erwarten, die EP sei ein Hauptstadtphänomen. Außerdem seien viele noch bezüglich der rechtlichen Folgen der EP verunsichert. Dass der Trauungssaal für gleichgeschlechtliche Paare weiter geschlossen bleibt, zeichne Graz aber dennoch als unglaubliche Provinzstadt aus, so Zernig. Quelle: ORF Steiermark v. 6. März 2010
Der ORF dürfte die Zeile "Bislang wenig Interesse an Homo-Ehe" als Template gespeichert haben, lautet der Titel doch bei fast allen Meldungen über die eingetragenen Partnerschaften in den Bundesländern gleich, auch wenn die Zahlen das Gegenteil beweisen. 18 Paare in zwei Monaten sind deutlich mehr als ein Sechstel der pro Jahr prognostizieren 70 bis 80 Paare, wobei man noch berücksichtigen muss, dass Jänner und Februar keine klassischen Hochzeitsmonate sind und dass die kleineren Bezirkshauptmannschaften Anfang Jänner zum Teil noch nicht einmal dazu in der Lage waren, Auskünfte über die Eintragungsvoraussetzungen und den Ablauf zu geben.
Gaywien.at wirft dem ORF daher zu Recht "Suggestiv-Journalismus" vor und bemerkt, dass der ORF bereits am 6. Jänner, also dem zweiten Tag, an dem die Eintragung überhaupt möglich war, von "wenig Interesse" schrieb. Gaywien.at rechnet vor, dass die im Jänner und Februar in der Steiermark geschlossenen EP etwa 6,5% der im gleichen Zeitraum der Jahre 2007 und 2008 (neuer Zahlen liegen nicht vor) geschlossenen Ehen und somit dem angenommenen Anteil an Homosexuellen in der Gesamtbevölkerung entspricht. In ganz Österreich wurden im Jänner 76 eingetragene Partnerschaften geschlossen, die Zahlen für Februar liegen noch nicht vor.
Szenen wie in manchen Städten der USA, wo heiratswillige gleichgeschlechtliche Paare in der Nacht bei eisiger Kälte Schlange standen, um ja unter den ersten zu sein, welche die begehrte Ehe-Lizenz zu erhalten (mit der man dann erst die eigentliche Trauung vornehmen lassen kann), sind in Österreich kaum zu erwarten. Die eingetragene Partnerschaft ist in der derzeitigen Form wegen der kleinen aber ärgerlichen eingebauten Diskriminierungen gegenüber der Ehe unbefriedigend. Daher und wegen der noch bestehenden Unsicherheiten in manchen Rechtsfolgen und auch in den gesellschaftlichen Folgen raten die Homosexuellen-Organisationen ihren Mitgliedern und Ratsuchenden noch zum Abwarten. Auch heterosexuelle Europäer_innen heiraten später und nicht so oft wie Amerikaner_innen. Und nicht zuletzt wird die standesamtliche Ehe in Europa großteils nüchterner gesehen als in den USA.
Links: http://steiermark.orf.at/stories/427119/
http://www.graz.at/cms/beitrag/10132301/324420/
http://www.gaywien.at/headnews/1993-orf-homo-ehe-eingetragene-partnerschaft.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Age_at_first_marriage
http://www.queernews.at/archives/1204